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DAS OBERLEDER (Werkstoffserie / #2)

Der Schaft eines Schuhs ist in aller Regel der Teil des Schuhs, der als erstes ins Auge fällt.
Das Ober- bzw. Futterleder ist zudem das Material am Schuh, das am großflächigsten mit der menschlichen Haut in Berührung kommt. Tragekomfort und Hautfreundlichkeit eines Schuhs hängen also eng mit der Wahl des Obermaterials zusammen.
Nicht zuletzt bestimmt die Qualität des Oberleders auch ganz maßgeblich die Langlebigkeit der Schuhe: Die Sohle lässt sich erneuern – ist das Obermaterial aber erst einmal beschädigt, lässt es sich nur noch notdürftig flicken.

Bei der Suche nach dem passenden Oberleder haben wir die Messlatte also denkbar hoch gesetzt.

Das Leder sollte…

… pflanzlich und chromfrei gegerbt sein.

… in Deutschland gefertigt werden, wo die Umwelt- und Sozialstandards für Gerbereien hoch sind und vergleichsweise kurze Transportwege zurückgelegt werden müssen.

… von einem Hersteller stammen, der nicht nur höchste Qualitätsansprüche an sein Produkt stellt, sondern auch ein glaubwürdiges Engagement für eine umweltverträgliche Lederproduktion nachweist.

… ein natürliches Narbenbild aufweisen und eine angenehme Haptik haben, sprich unseren Vorstellungen von einem „richtig schönen Leder“ entsprechen!

Die Wahl fiel auf das großartige Rhabarberleder, das nicht nur all die genannten Kriterien erfüllt, sondern auch aus einem spannenden und innovativen Jungunternehmen aus der Region stammt.
Der Gerbstoff für das Rhabarberleder wird – wie der Name schon vermuten lässt – aus der Rhabarberpflanze gewonnen. Um genauer zu sein, aus der Wurzel der Pflanze, was zwar nicht namensgebend für die Schuhwerkstätte WURZLN war, aber auch in dieser Hinsicht bestens zu uns passt.

Hinter dem Rhabarberleder steht nicht einfach nur der Anspruch, schadstofffrei zu gerben. Vielmehr wurde bei der langjährigen Entwicklung des Leders die gesamte Wertsschöpfungskette in den Blick genommen und unter strengen ökologischen Gesichtspunkten nach einem Gerbstoff gesucht, der nicht nur im Gerbprozess und Endprodukt unbedenklich ist, sondern bereits in der Gewinnung. Um dies besser nachvollziehbar machen zu können, muss ich nun doch ein wenig ausholen.

Das Schwermetall Chrom, welches in der weltweiten Lederproduktion mit Abstand am häufigsten als Gerbstoff Verwendung findet, ist gleich aus mehreren Gründen problematisch:
Zum einen werden bei Stichproben von Lederwaren immer wieder Chrom (VI)-Verbindungen nachgewiesen, die bereits in geringeren Dosen als allergen gelten und in größeren Mengen erwiesenermaßen krebserregend sind. Zwar ist der eigentliche Gerbstoff, das Chrom (III)-Sulfat, gesundheitlich unbedenklich und die Umwandlung von 3-wertigem Chrom in 6-wertige Chromverbindungen unter kontrollierten Bedingungen vermeidbar, die verschlungenen Wertschöpfungsketten der globalen (Billig-)Lederproduktion machen eine Qualitätssicherung importierter Leder aber schier unmöglich.
Wenn man sich auf in Europa gegerbte, hochwertige Chromleder beschränkt, lässt sich zwar weitestgehend sicherstellen, dass die fertigen Lederprodukte kein Gesundheitsrisiko für die Endverbraucher/innen darstellen. Es bleibt jedoch das Problem der Gerbstoffgewinnung: Der Abbau von Chrom – wie auch der meisten anderen Schwermetalle – hat eine Reihe verheerender ökologischer und sozialer Konsequenzen, die sich hierzulande leicht übersehen lassen. Die Ausbeutung von Arbeit und Natur, die Belastung von Trinkwasser und Böden sowie das Fehlen von Maßnahmen zur Renaturierung der verödeten Gebiete stellen die Menschen in den Abbauregionen Südafrikas, Indiens oder Brasiliens vor schwerwiegende Probleme.

Leder, die mit pflanzlichen Stoffen gegerbt wurden, schneiden im Vergleich mit der Chromgerbung deutlich besser ab. Es gibt viele Pflanzen, aus denen die Tannine, wie die vegetabilen Gerbstoffe auch genannt werden, leicht extrahiert werden können, etwa heimische Hölzer wie Eichen und Fichten oder importierte wie Quebracho, Mimose oder Tara.
Oder eben die Rhabarberpflanze, die sich gegenüber den häufig importierten Rindenextrakten, durch eine besonders positive Ökobilanz auszeichnet. Die Pflanze wächst im heimischen Klima und nimmt vergleichsweise geringe Anbauflächen in Anspruch, sodass auch bei wachsender Nachfrage keine Konkurrenz zu Nahrungsmittelpflanzen aufkommt.

Wir bieten zwei Lederarten in jeweils drei verschiedenen Farben an. Drei Modelle aus unserer Kollektion werden aus einem besonders geschmeidigen Nappaleder gefertigt: es ist weich, aber behält seine Form und lässt sich gut mit Schuhcreme oder Pomade pflegen und polieren.
Für drei weitere Modelle verwenden wir ein kräftigeres Leder mit matt-samtiger Oberflächenstruktur: es ist robust und bekommt mit der Zeit eine schöne Patina.

Als Futterleder verwenden wir bei allen Modellen ebenfalls das chromfreie und Allergiker-freundliche Rhabarberleder.

Zu guter Letzt ist noch zu erwähnen, dass das Rhabarberleder die Richtlinie „IVN-Naturleder“ des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft e.V. erfüllt, die weltweit eine der strengsten Richtlinien zur Lederproduktion darstellt.

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